Es gibt viele Geschichten, die die AvD-Histo-Monte nach 33 Jahren erzählen kann. Und das ist auch schon die erste. Denn in dieser Zeit hat es nur 25 Ausgaben gegeben. Das hatte unterschiedliche Gründe.
Den Auftakt zur AvD-Histo-Monte gab es im Jahr 1993. Oldtimer-Spezialist und der heutige Streckenmoderator Peer Günther hatte die Idee, den Teilnehmern des Rallye-WM-Laufes ein bisschen Abwechslung zu spendieren. Mit den wenigen Teams der echten Monte konnte man sich nicht so richtig sehen lassen und bei der Premiere der AvD-Histo-Monte kamen tatsächlich schon 50 historische Fahrzeuge als Dekoration für den WM-Start in Bad Homburg zusammen. Die navigierten sich aber nur wenige Kilometer weit bis auf den Feldberg im Taunus, dann war auch schon Schluss.
Die sechste Ausgabe im Jahr 1998 war dann die erste, die nach kürzeren Events im Großraum Deutschland gen Monte Carlo aufbrach. Die längste Veranstaltung im Jahr 2002 wurde erst nach fast 2700 Kilometern abgewunken, doch leider scheitere man schon ein Jahr später unter der direkten Leitung des AvD an mangelndem Interesse, 2004 gab es keine AvD-Histo-Monte mehr. Die erste Lücke in der Geschichte der Tour klaffte auch noch 2005, dann nahm sich AvD-Urgestein Manfred Triefenbach der Sache an und schicke 2006 wieder 62 Fahrzeuge auf die Reise nach Monaco. Ein Jahr später wurde Hanau zum neuen Startort, noch einmal waren es exakt 62 Teams, die auf die 2008 km lange Reise gingen. Leider war es auch für Manfred Triefenbach die letzte Tour, seine Lebens-Reise endete im selben Jahr nach einem plötzlichen Schlaganfall.
Seine Frau Gaby Triefenbach nahm sich ansatzlos der Sache an, scharrte alle gemeinsamen Freunde und Wegbegleiter um sich, als AvD-Mitarbeiterin hatte Sie zudem beste Kontakte in die Szene und schon im Folgejahr ging es mit 50 Mannschaften weiter. Hanau blieb bis zu Ihrer letzten AvD-Histo-Monte der Start, dann musste sich die Veranstaltung der zunehmenden Genehmigungs-Wut und dem Unwillen der französischen Behörden beugen, 2012 fand die letzte Tour unter der Regie Triefenbach statt.

Erneut pausierte die mittlerweile eigentlich etablierte Winter-Oldtimer-Rallye für zwei Jahre, bis Peter Göbel sich als neuer Veranstalter im Jahr 2015 aus Mainz zurückmeldete. Der gelernte Journalist und Rallye-Beifahrer hatte bereits jede Menge Erfahrung mit der Organisation solcher Events gesammelt, außerdem engagierte er mit dem Franzosen Jean-Marc Bonnay genau die Person, die nötig war, um die Franzosen in ihrer Sprache von den Qualitäten und der Seriosität der Veranstaltung zu überzeugen. Der Auftakt gelang, bei der Premiere waren es schon 68 Teams, im Jahr 2019 erreichte die Tour mit 89 Teams ihren bisherigen Teilnehmer-Rekord. Mittlerweile war man schon zweimal umgezogen. Nach Mainz folgte 2017 Frankfurt als Startort, seitdem hat die Winter-Tour mit der mittelalterlichen Kleinstadt Rothenburg ob der Tauber ein passendes Zuhause gefunden. Nur eines mussten die Macher bei der Agentur Plusrallye umstellen, nämlich von einer jährlichen Veranstaltung hin zu einem 2-Jahres-Rhythmus, weil die Menge an Arbeit nicht mehr mit der von früher vergleichbar war. Und weil dann auch noch Corona eine ungewollte Hürde im sonst eingespielten Lauf der AvD-Histo-Monte wurde, fand nach 2019 erst im Jahr 2022 die nächste Veranstaltung statt.

Zählt man nun alle Jahre zusammen, in denen es tatsächlich keine Winter-Rallye gegeben hat, feiert man im kommenden Jahr nicht nur rechnerisch nach dem Start vor 33 Jahren das 25-jährige Jubiläum.
Doch der zeitliche Werdegang war nicht die einzige Geschichte in der langen Historie. Würde man alle Ausgaben zusammenzählen, dann ist die AvD-Histo-Monte mit der kommenden Ausgabe einmal um die Welt gefahren. Rund 41.000 Kilometer hat man bei Plusrallye in allen Bordbüchern zusammengezählt. Eine weitere Statistik führt insgesamt 11 Automarken zu den Gesamtsiegern, Porsche schnappte sich alleine fünf davon und liegt noch immer knapp in Führung vor Opel, Ford und Skoda.

Für Geschichten und Dramen sorgte logischerweise auch das Wetter. Im Jahr 1998, der ersten internationalen Ausgabe, schneite es nach dem Restart in Grenoble so heftig, dass die Teams kaum den Start der ersten Tagesprüfung am weiter südlich gelegenen Col de Menée schafften. Der Räumdienst war nicht so schnell, wie die Oldtimer-Tour, die Mannschaften kämpften sich über den vollkommen zugeschneiten Pass und hatten manchmal Glück, dass im Schnee steckende Autos so schnell befreit werden konnten, bis sich einer der nachfolgenden Mannschaften an der identischen Stelle ebenfalls in die Schneemauer bohrte.
Als eine der wenigen Ungereimtheiten blieb in der Folge der Gesamtsieg des Belgiers Maxime Chalot. Auch der Jaguar-Pilot kam im Schneechaos einige Minuten zu spät an die Zeitkontrolle, die nicht neutralisiert wurde. Damit waren Rallye-Mann Konrad Schmidt und Sohn Christian kurz vor dem Ende der Tour in logischer Folge die neuen Spitzenreiter, doch bei der abendlichen Auswertung wollte man nichts von der Zeitstrafe des Belgiers wissen, obwohl dieser vor den Augen vieler anderer Teilnehmer, die wie Schmidt pünktlich waren, eindeutig zu spät an die Kontrolle rollte.
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Anders wild ging es bei der ersten Ausgabe im Jahr 2015 unter der Leitung von Peter Göbel zu. Nach der Mittagspause am Lac de Saint Point in Malbuisson schaltete der Herrgott von moderatem Schneefall um zu einem ausgewachsenen Schneesturm. Die Sicht in Mouthe, in der Statistik Frankreichs der kälteste Ort überhaupt, wehte das Weiß Straßen und Häuser in Minuten bis zur Unkenntlichkeit zu. Die Polizei hatte die zentrale Durchgangsstraße sicherheitshalber schon gesperrt, doch glücklicherweise führte die Route der Rallye über eine noch immer passierbare Nebenstraße. Und tatsächlich alle Teilnehmer behielten die Nerven und manövrierten sich aus dem immer größer werdenden Schnee-Drama.

In regelmäßigen Abständen gab es viel Schnee bei der AvD-Histo-Monte und die anderen – zum Teil pulvertrockenen – Ausgaben schmälerten den Spaß keineswegs. Spannender war es aber inklusive echtem Winter. Manchmal reichen auch nur ein paar Meter verwehten Schnees, so wie im Jahr 2019 bei Ulm. Nur zwei Kilometer waren so überraschend zugeweht, dass der Rallye erfahrene Star-Fotograf Reinhard Klein schon in Deutschland viele gute Motive im Kasten hatte. Ein Teilnehmer hätte um ein Haar die auf einem Stativ befestigte Kamera ins Jenseits befördert, im letzten Moment zog der Mercedes dann doch noch daran vorbei.
Im wahrsten Sinne „aus und vorbei“ war die AvD-Histo-Monte nur einmal im Jahr 2021 durch die vielen Restriktionen der Pandemie. Man versuchte alles, um irgendwie doch noch einen Weg zu finden, unter besonderen Auflagen starten zu dürfen, doch am Ende zog man – wie viele andere Veranstalter auch – die Reißleine. Ein massives Unwetter hatte zudem fast zeitgleich viele Straßen in den Seealpen unpassierbar gemacht. Doch weil man sich nicht so recht mit der Tatsache abfinden konnte, bastelte man an einer ganz eigenen Ausgabe der AvD-Histo-Monte. Organisator Peter Göbel überredete seinen ehemaligen Redakteurs-Kollegen Markus Stier zu einer ganz eigenen Veranstaltung, fernab jeder Vorstellung. Und so war es die AvD-Histo-Monte 2021, die dann doch irgendwie als einzige Oldtimer-Rallye während Corona an den Start gegangen ist.

Eine tolle Geschichte soll die kommende Ausgabe auch werden. Dafür haben sich die Macher um Rallye-Leiter Peter Göbel wieder einiges einfallen lassen. Dazu zählt auch das Thema Schnee. Mit der neuen Streckenführung über den Col du Lautaret sollte dieser eine ziemlich sichere Rolle spielen. Als einer der ganz wenigen Pässe über 2000 m Meereshöhe ist der Lautaret auch im Winter geöffnet. 2017 war man schon einmal da, damals wechselten alle Teams auf der Passhöhe auf Spikes, die welche dabei hatten. Im kommenden Jahr soll es am Fuße des Col du Galibier (der Abzweig liegt genau auf der Passhöhe des Col du Lautaret) sogar eine Durchfahrtskontrolle geben, natürlich mit einem wärmenden Tee oder Espresso.

Und eines ist ganz neu in der Historie der Veranstaltung. Zum ersten Mal ist nicht Monte Carlo das Ziel, sondern der Start am letzten Tag. Vom Hotel in Cannes geht es mit einer kurzen Überführungsetappe zuerst in den Stadtstaat zum Restart. „Auf dem Quai Albert unmittelbar am Mittelmeer sammeln sich die Teilnehmer noch einmal, bevor es in die Berge geht“, so Orga-Chef Peter Göbel. Damit sind die obligatorisch guten Bilder zwischen weißen Jachten und Hochhäusern garantiert und die Strecken über die Original-Routen der Rallye Monte Carlo bleiben gleich gut. „Wir wandeln natürlich auch dann auf den Pfaden der bekanntesten aller Rallyes“, so Göbel.
Der Col de Turini ist wieder im Programm, diesmal aber nicht zur Mittagspause, stattdessen wartet Wirtin Laetita mit Blaubeerkuchen auf die Teams. Und auch die legendäre Schlucht von Aiglun ist Teil der Route für das Jahr 2026. Vor zwei Jahren reisten sogar einige Fans aus Deutschland extra für diese Passage an. Angekündigt war Walter Röhrl, der sich nach 38 Jahren noch einmal mit seinem Audi Sport Quattro S1E2 durch die legendäre Felspassage unweit des gleichnamigen Ortes Aiglun katapultierte. Trotz unglaublicher Regenmassen harrten Zuschauer und Fotografen aus und erlebten zumindest in Ansätzen hautnah, wie es sich angefühlt haben muss, als sich die Rallye-Asse hier bei der echten Monte mit den über 500 PS starken Gruppe-B-Autos geprügelt haben.

Auch davon kann die AvD-Histo-Monte erzählen. Rallye-Weltmeister Röhrl war schon mehrfach am Start, der italienische Weltmeister Miki Biasion kam 2019 mit seiner Lancia Fulvia Safari und der Weltmeister des Jahres 1981, Ari Vatanen, applaudierte vor vier Jahren auf der Bühne den Gewinnern zusammen mit Röhrl im Duett. Der finnische Profi Harri Toivonen fuhr 2016 im Opel Kadett und bei der letzten Ausgabe gab es die Pokale nicht nur von Röhrl, sondern auch von Rennlegende Jochen Mass.
„Es wäre schön, wenn wir auch im nächsten Jahr viele Teilnehmer begrüßen und neue Geschichten schreiben können“, so Peter Göbel. In genau zwei Tagen geht es für die Teilnehmer los mit der Nennung. Wir sind längst bei den weiteren Planungen mit den Behörden und Restaurants. Aber das ist eine ganz andere Geschichte.
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