Wasserratten – das Wetter war auch am dritten Tag Thema Nummer 1 – doch die Nummer 1 ließ sich nicht beirren.

Die 25. AvD-Histo-Monte droht nach dramatischen Regenfällen ausgerechnet beim Jubiläum abzusaufen. Womit die Drehbuchautoren nicht gerechnet haben: Die Teilnehmer können gut schwimmen.

Als der Taxifahrer längsseits geht, und das Fenster runterlässt, versucht er mitleidig zu wirken, aber die heimliche Häme kann er dann doch nicht ganz verbergen: „Hier dürft ihr nicht fahren. Ist nur für Taxis erlaubt“, sagt er am Ende der alten Rheinbrücke von Rheinfelden, die für privat motorisierten Verkehr seit vielen Jahren gesperrt ist. Doch heute liegt er falsch, die AvD-Histo-Monte hat auch hier eine Sondergenehmigung. Es ist eine lieb gewonnene Tradition, dass die Winter-Oldtimer-Rallye das pittoreske Sperrgebiet an der deutsch-schweizer Grenze überqueren darf, samt Durchquerung der Rheinfeldener Altstadt mit Stempelkontrolle am Rathaus.

Aber irgendwas stimmt heute nicht. Wo sich ansonsten mindestens ein paar hundert Schaulustige versammeln, um das Feld bei der Flussüberquerung zu begrüßen, stehen heute nur zwei Personen. Wussten die etwas, was wir nicht wissen? Zum Beispiel dass es um 9:13 Uhr – und damit exakt zwei Minuten vor dem ersten Teilnehmer – anfängt zu regnen? Tatsächlich ist dann aber doch noch genug Volk zusammengeströmt , nur waren die Zuschauer clever genug, um sich Fensterplätze in den Cafés zu sichern, oder zumindest überdachte Stehplätze unter den Arkaden oder Stehzelten gegenüber des Rathauses.

Wir wollen hier nicht dramatisieren. Es regnet nur ein Mal an diesem Karnevalsdonnerstag und zwar vom frühen Morgen bis zum späten Abend, erst im Ziel ist die Straße trocken. Dazwischen gibt es ein paar Momente, an denen der Wischermotor an diesem Tag Pause hat.

Schon am Morgen im malerischen Doubs-Tal lässt sich nicht immer klar sagen, wo der Fluss aufhört und der Himmel beginnt. Wer dachte, die AvD-Histo-Monte vor zwei Jahren ließe sich in Punkto Wasser nicht übertreffen, wird gnadenlos eines Besseren belehrt. Rund um Mouthe, Frankreichs übelstem Kälteloch (Der Rekord liegt bei minus 36,7 Grad) hat sich der beschauliche Fluss in eine Auenlandschaft verwandelt. Vor der Zeitkontrolle am Ortsausgang schwappen die Wellen über die rechte Fahrspur, wer nicht aufpasst, hat das Wasser schnell auf Schwellerhöhe.

Man muss ja in allem das Gute sehen. Der gestern noch von der Rallyeleitung heraufbeschworene Horroraufstieg über die Nordwand des Col de Menthières mit sieben Zentimeter solider Eisauflage ist dann nach zehnstündigem Regen doch eher zu ein bisschen Schneematsch verkommen.

Wozu haben wir dann bei jeder sich bietenden Pause die Bauanleitung der noch nie ausgepackten Schneeketten studiert, ulkten einige Teilnehmer. Und dann passierte es doch. Die schicke, weiße Pagode von Jens Hermsmeier kommt plötzlich mit dem Heck, es folgt der Gegenschwung und dann der zum Glück weiche Einschlag in die verschneite Böschung. Zum Glück ist das Bergekommando des Veranstalters „zufällig“ vor Ort, um das unverletzte Wild aus der Böschungsfalle zu befreien, nach wenigen Minuten kann es weitergehen.

Überhaupt geht heute deutlich weniger kaputt als gestern. Ausgerechnet der Lancia Delta Integrale von Christian Koeppen, im Werks-Martini-Look klar der größte Wintersport-Star des Feldes, steht saftlos am Straßenrand. „Lichtmaschine“, urteilt das AvD-Pannenhelfer Duo. Koeppens Auto mag reglos parken, doch sein Geist ist weit voraus. Ein Helfershelfer mit Ersatzteil ist aus der fernen Heimat bereits aufgebrochen. Bis zum Abend sollte das Auto im Etappenziel Lyon voll unter Strom stehend der Freitagsetappe entgegenfiebern.

Vom Typ lange Leitung sind dagegen die französischen Behörden. Der neuralgischste Punkt der mit 560 Kilometern nur unwesentlich kürzeren Etappe ist der 2.058 Meter hohe Col du Lautaret. Auf dem im Sommer regelmäßig von der Tour de France frequentierten Pass ist das, was sich auf die Teams an Wasser ergoss, in Schnee gefallen. Seit dem Mittwochabend gesperrt ist noch immer völlig unklar, ob die Straße am Freitag planmäßig und rechtzeitig geräumt und damit befahrbar ist. Aber wie auch immer die Geschichte morgen ausgeht, eine Ersatzroute für den Fall der Fälle steht bereits fest, ein fliegendes Vorauskommando wird zudem im Morgengrauen aufbrechen, um zeitig am Schlagbaum zu rütteln oder mit der Crew der Schneeschieber-Fahrer zu reden.

Noch zwei gute Nachrichten: Der am Mittwoch ausgefallene Subaru SVX rollt am Abend mit frisch revidiertem Getriebe im Hotel ein. Noch großartiger: Die in Freiburg noch scheinbar dem Tod geweihte Alfetta litt doch nicht an einer defekten Kopfdichtung. „Der Zylinderkopf war nicht richtig fest“, berichtet Fahrer Gottfried Masilko. Kaum waren die Schrauben nachgezogen, sank der Druck im Kühlsystem und bei der Besatzung dramatisch.

Wenn es an diesem turbulenten Tag eine Konstante gibt, dann das Triumvirat an der Spitze. Jörg Pöhlemann und Marc Stoll im Porsche 924 verteidigen die Gesamtführung mit 16 Strafpunkten Vorsprung vor Holger Seeberger und Nicky Bronsch im Alfasud Ti. Das ungarische Duo Zoltan Horvath und Lajos Boros hält Rang drei, nur acht weitere Pünktchen dahinter.

Die schönste Überraschung des Tages ist das Resultat einer spontanen Befragung am Abend: Das Wetter mag unterirdisch sein, die Stimmung im Feld ist weiter Bombe. Daher hier mal ein Lob vom Orga-Team an seine Kundschaft: Mit solchen Teilnehmern kann man verreisen.


Link zur Fotogalerie >>
Link zu den Ergebnissen >>

Weitere News