Weiße Wand und schwarzes Rinnsal – die ersten Herausforderungen sind ein Warm-Up, große Hürden folgen

Auf der zweiten und dritten Etappe der AvD-Histo-Monte haben alle Teams mit reichlich Wetter zu kämpfen, und einige auch mit ihren Sportgeräten.

Als an den Thermen des Freiburger Stadtrandes die Abenddämmerung hereinbricht, ist die Straße trocken und es weht ein laues Lüftchen, als wäre nichts gewesen. Und der milde Abendanblick passt so gar nicht zu der dezent zerzausten Truppe, die sich den Weg zum Dorint-Hotel bahnt. Zwar lugt zwischendurch mal fast die Sonne um die Ecke, ansonsten aber gibt es immer wieder reichlich Wasser – nicht nur von oben, sondern auch waagerecht von vorn. Diverse Teams klopfen am Abend im Orga-Büro an, um neue Startnummern auszufassen. Die alten hängen in Fetzen oder sind abgewaschen.

Auch innerlich haben einige Autos schon Federn gelassen. Während die am Vorabend noch hüstelnde Fulvia mit einem freigepusteten Benzinfilter verhaltensunauffällig durch die Lande rollt, streckt es einige Teams schon auf der ersten Etappe des Tages nachhaltig nieder. Ausgerechnet der seltene Subaru SVX von Richard Gann und Gerrit Osswald, mit Baujahr 1996 zudem das Küken im Feld, reist mit öltriefendem Getriebe huckepack Richtung Etappenziel, will aber so schnell die Flinte nicht ins Korn werfen. Morgen geht’s in die Werkstatt, und nach einem Tag der Wundpflege will sich die Besatzung wieder in den laufenden Rallye-Betrieb eingliedern.

Der Älteste im Feld, der 70 Jahre alte Jaguar XK140 von Bernd Langanke und Martina Wagner kommt indes am Haken des AvD-Pannendienstes in Freiburg an. Gesucht wird ein neuer Verteiler. Und gar am seidenen Faden hängt das Schicksal der Alfetta mit der Startnummer 35. Der sonst halbvolle Kühlwasser-Überlaufbehälter schwappt fast über. „Luft im System, Zylinderkopfdichtung“, lautet die knappe und knallharte Diagnose der Pannenprofis.

Gerade noch mal glimpflich ausgegangen ist der Abstecher von Jens und Andrea Vogt. Am Ende des gestrigen Tages steuert das Skoda-Team zielsicher die Zapfsäule mit dem guten Ultimate an, greift aber im Eifer des Gefechts haarscharf daneben – und zwar zur Ultimate Diesel-Pistole. Rechtzeitig diagnostiziert, kommt der Skoda Rapid mit ausgepumptem Magen und frischem Benzin glimpflich davon. Das Duo schafft es noch rechtzeitig zur ersten Zeitkontrolle am Rathaus von Rothenburg, dann konnte die Reise endlich losgehen.

Aber es sind ja nicht nur Dinge schiefgelaufen. Der Zeitplan beim Ritt durch den Schwarzwald wird trotz acht Prüfungen, einer Durchfahrtskontrolle und der Mittagspause prima eingehalten. Die Trachten-Mädels in Haslach sorgen mit Charme und Häppchen – wie in den Vorjahren – für sonnige Gemüter. Bei der Mittagsrast in Gutach gibt es ausnahmsweise mal umgekehrte Komplimente: Die Besatzung des Restaurants „Weber’s Esszeit“ staunt über die wörtlich „außergewöhnlich netten Gäste“. Ja, was hatten die denn erwartet? Dass es den Teams wegen des bisschen Wetters und kleinen Problemchen die Laune verhagelt? Weit gefehlt.

Apropos Hagel: Diesen und Schnee gibt es vorerst nicht. Es ist zu warm. Am Fuß des 1.241 Meter hohen Kandel zeigt das Thermometer am Abend noch immer neun Grad plus, oben sind’s noch immer fünf. Gleiches am noch mal rund 50 Meter höheren Schauinsland. Wobei böse Zungen behaupten, Schauinsgrau wäre passender gewesen. Ausgerechnet die beiden höchsten Aussichtspunkte stecken in einer dicken Nebelmauer fest. Man hätte einen Beamer aufstellen und in der Luft einen Film vorführen können.

Unbeeindruckt von Wetter und Sicht behalten Jörg Pöhlemann und Marc Stoll nach den 440 Tages-Kilometern und acht weiteren Prüfungen in ihrem Porsche 924 den Durchblick und gehen als Führende mit nur 13 Strafpunkten ins Bett. Ruhig schlafen können sie nicht, denn nur vier Punkte dahinter lauern Holger Seeberger und Nicky Bronsch im Alfasud Ti und – vollkommen punktgleich – die Ungarn Zoltan Horvath und Lajos Boros in ihrer Fulvia Monte Carlo.

Gerade Horvaths Lancia kann nicht viel erschrecken. Die 51 Jahre alte Italienerin war mit ihrem ungarischen Chauffeur schon auf den norwegischen Lofoten und am Nordkapp – wohlgemerkt im Winter. Und der kommt morgen mit Macht auf die Teilnehmer zu. Nicht, dass auf den strammen 580 Kilometern über die alte Rheinbrücke ins Schweizerische Rheinfelden und im malerischen Malbuisson jenseits der französischen Grenze auf dem Weg ins Etappenziel Lyon schon allerorten Wipfel und Dächer weiß gezuckert wären. Aber beim Aufstieg zum Col de Menthières lauert eine mächtige Barriere. Die schattige Passage ist nur etwas über einen Kilometer lang und 80 Meter davon sind blankes Eis. Fahrerisch eigentlich keine übermäßige Herausforderung – wären diese Eisplatten nicht sieben Zentimeter dick. Das mit einem Tag Vorsprung operierende Vorausauto jedenfalls hat dort bereits Schneeketten benötigt.

Noch mulmiger wird der Orga beim Blick auf das heranziehende Wolkenband, denn in zwei Tagen könnte es den über 2.058 Meter hohen Col du Lautaret in den Würgegriff nehmen. Während es weiter unten im Tale vermutlich unproblematisch bleiben wird, soll es ganz oben bis zu 50 Zentimeter Neuschnee geben, inklusive der Gefahr einer Vollsperrung.


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