Wiedersehen macht Freude – Walter Röhrl startet im Lancia Rally 037 bei der Jubiläums-AvD-Histo-Monte

Zur 25. Jubiläumsausgabe der AvD-Histo-Monte kommt es zu einer historischen Wiedervereinigung: von Walter Röhrl und dem Lancia Rally 037.

Von Markus Stier:

Es war schon vorher Liebe. Als Walter Röhrl nach seinen vier Fiat-Jahren Anfang 1983 nach Italien zurückkehrte, war es wie heimkommen. Die Italiener liebten den kantigen Bayern, und er liebte sie zurück – bis heute. Turin zahlte gutes Geld, dazu gab es immer gute Hotels, schicke Klamotten und ebenfalls gutes Essen, und schnelle Autos bauten sie auch noch.

Der im Sommer 1982 als erstes aller Gruppe-B-Autos fertig gestellte Lancia Rally 037 war genau nach dem Geschmack des Regensburgers. Leicht, agil, dank des Kompressor-Motors mit viel Bumms bei jeder Gaspedalregung gesegnet und mit seinem flachen Aufbau und dem Mittelmotorkonzept wie ein Rennauto für Rallyepisten und zu guter Letzt extrem präzise zu fahren. Der einzige nennenswerte Nachteil des Hecktrieblers war der fehlende Allradantrieb, aber den hatte Röhrl nach Testfahrten im Quattro im Winter 1980 als eher sperrig in Erinnerung.

Und mit dem Glück des Tüchtigen gesegnet fuhr Röhrl bei einer nahezu trockenen Rallye Monte Carlo allen um die Ohren. Dass der Lancia nicht nur auf Asphalt ein tolles Auto war, bewies Röhrl mit zwei weiteren Saisonsiegen in Griechenland und Neuseeland. Es war maßgeblich Röhrl, der es schaffte, Audis Markentitel-Verteidigung in diesem Jahr zu verhindern.

Walter Röhrl siegte im Lancia Rally 037 auch bei der Rallye Acropolis in Griechenland. Ohne Allrad konnte der Regensburger sogar die Audi schlagen. „Und man mag es kaum glauben“, sagte er uns im Vorgespräch zur AvD-Histo-Monte. „Ich habe mit dem Auto nie einen Platten gehabt.“

Das Vergnügen war groß, aber von kurzer Dauer. Nach dem Kraft raubenden Fahrertitel-Gewinn mit Opel im Vorjahr, wollte Röhrl kürzer treten. Und Lancia wusste, dass die filigrane Legende nur in diesem einen Jahr gegen die Allradfraktion konkurrenzfähig sein würde. Die Planungen für den Delta S4 liefen bereits, und Röhrl wechselte nach diesem Jahr der Glückseligkeit 1984 zu Audi.

Insgesamt trat der viermalige Monte-Calro-Sieger nur neun Mal mit diesem Auto an, darunter zwei Mal in Deutschland. Er fuhr Kreise um die nationale Elite bei der Deutschland-Rallye. Seine Abschiedsvorstellung gab er daheim bei der 3-Städte-Rallye in Bayern, natürlich mit einem ungefährdeten Sieg.

Dann verlor man sich aus den Augen. Abgesehen von Stippvisiten wie der Rallyelegend 2003 und dem Eifel Rally Festival 2011 hat Röhrl den 037 nach seinem Ausscheiden bei Lancia im Dezember 1983 nie wieder bewegt. Umso weniger Gedanken verschwendete er über ein mögliches Revival, als AvD-Histo-Monte-Chef Peter Göbel ihm den 037 von Noch-Besitzer Dirk Lührmann (denn der Lancia soll tatsächlich verkauft werden) für einen letzten Ausflug in die Seealpen anbot.

Dass der Regensburger für die finale Schleife bei der AvD-Histo-Monte eigens in den tiefen Süden Europas reist, ist schon eine lieb gewonnene Tradition. 2017 startet er im Audi Quattro und fuhr die gesamte Veranstaltung mit, 2022 kam er mit seinem eigenen Porsche 911, 2024 tobte er mit einem Quattro S1 E2 aus Audi-Werksbeständen über legendäre Prüfungen wie den Col de Turini und durch die Schlucht von Aiglun.

Für sein Sportgerät ist es mehr als ein Heimspiel. Mit einem vom französischen Importeur Chardonnet gekauften Auto fuhr das gallische Urgestein Jean-Claude Andruet in der heimischen Asphalt-Meisterschaft, aber auch vereinzelte EM-Einsätze. Bei 15 Starts holte der Monte-Sieger von 1973 acht Siege auf französischem Boden. Lackiert waren die Chardonnet-Renner traditionell in Gallisch-Blau, da traf es sich gut, dass man 1983 und 1984 mit Elektronik-Hersteller Pioneer einen passenden Sponsor gefunden hatte. Das Original-Einsatzauto hat die Achtziger nicht überlebt, Röhrls Spielzeug für die finale Etappe am 14. Februar wird Andruets ehemaliges Trainingsauto sein, das in einigen Punkten auf einem ähnlichen technischen Stand ist, wie des damalige Einsatzautos. In den Achtzigern waren Tests und Training völlig unlimitiert, geprobt wurde also immer mit voller Kapelle. Vermutlich also hat kein 037 mehr Kilometer im Department Alpes Maritimes abgeschrubbt, als dieser.

Für Röhrl und Besitzer Lührmann, der ihm als Navigator beisitzt, werden es erlesene 317 Kilometer mit Start in Cannes, mit einem kurzen Schaulaufen durch Monte Carlo am Morgen, dann mit dem Kehrengewirr der Baisse de la Cabanette und schließlich geht es über den Col de Turini und noch einmal durch die grandiose Felsenschlucht von Aiglun. Der Stargast zählt schon die Tage, nicht nur nicht bis zum Wiedersehen mit dem geliebten Lancia. Der Kuchen-Junkie Röhrl ist auch Fan des passend zur Auto-Farbe lockenden Blaubeer-Kuchens auf dem Col de Turini bei Wirtin Laetitia. Röhrl sagt: „Ich freu mich schon sehr darauf.“


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