Auf ans Mittelmeer
Sonntag, den 07. Februar 2010 um 02:11 Uhr

Noch 513 Kilometer sind es von Aix-les-Bains zum vorletzten Etappenziel der 16. AvD Histo-Monte nach Monte Carlo. Und diese Etappe hatte es durchaus in sich, wie die 45 verbliebenen Teilnehmer erfahren mussten. Aber der Reihe nach.

 



Von wegen Schnee von gestern! Nach der mühseligen Fahrt durch die Vogesen und das Jura über mehr als zwölf Stunden Fahrzeit hatten die Rallye-Teilnehmer gehofft, beim Start an diesem Morgen bessere Bedingungen vorzufinden. Doch pünktlich zum Start um 8:01 Uhr setzte in den Niederungen erneut heftiger Regen ein, der in den Höhenlagen in dichtes Schneegestöber überging. Während das Vorausfahrzeug des Veranstalters noch problemlos über den Col du Garnier marschierte, bereitete bereits kurze Zeit später zum Start der ersten Gleichmäßigkeitsprüfung eine satte Neuschneedecke den Teilnehmern reichlich Mühe. Von Minute zu Minute wurde die Neuschneedecke immer dicker, die vorgegebene Sollzeit immer schwerer zu schaffen. Manch einer kam an die Grenzen seines Fahrkönnens. Aber auch eine Portion Glück gehörte dazu, nicht den Schwung zu verlieren, denn zum Ärgernis einiger Fahrer war die Stecke nicht immer frei. Aber auch das gehört zum historischen Rallyesport. Zu guter Letzt wurde diese Prüfung von dem Veranstalter aus der Wertung genommen und für die anderen Prüfungen auf geschlossener Schneedecke die Sollzeiten deutlich herunter gesetzt.

Am Col de Grimone war es dann aber dennoch so weit. Viele durften kurz vor der Passhöhe erstmals ihre Schneeketten aus dem Kofferraum kramen und die Eisen aufziehen. Andere versuchten sich irgendwie hoch zu hangeln, nutzten die ganze Fahrbahnbreite und landeten wie Motor Klassik-Journalist Hans Jörg Götzl im Skoda 110R in dem zugeschneiten, kaum erkennbaren Graben. Klaus Peter Thaler, der kurz nach ihm gestartet war, fand keine Lücke, um an dem gestrandeten Skoda vorbeizukommen, und parkte auf der abschüssigen Passstrasse seinen Opel Commodore gleich dahinter ein. Da standen nun zwei Werksautos brav aneinander gereiht und konnten nur noch mit Abschleppseil und fremder Hilfe aus der prekären Lage befreit werden.



Gegen Nachmittag, als der Rallyetross endlich tief in den Süden der Alpen vordrang und das mediterrane Klima Oberhand gewann, ließ der Schnee nach. Trotzdem war Vorsicht geboten. Denn plötzlich lauerten jede Menge Steinbrocken, die sich aus den wilden Felsformationen gelöst hatten, hinter den Kurven.  Wer nicht schnell genug ausweichen konnte, riskierte einen Reifenschaden. Genau so traf es Reiner Seume von Elysee-Uhren. Er rumpelte mit seiner Lancia Fulvia Coupe über einen solchen Härtling und durfte in aller Eile das rechte Vorderrad wechseln.

Daniel Amstutz und Ronny Nauer aus der Schweiz hätten sich sicherlich gefreut, wenn sie an ihrem Irmscher-Opel Coupe nur einen Reifenschaden gehabt hätten. Eine defekte Zündbox legte den Motor komplett lahm. Das Auto hat heute auf dem Transporter die Heimreise in die Schweiz angetreten.

Im Übrigen werden die letzen 80 Kilometer vor Monto Carlo so manchem Teilnehmer der Histo-Monte in Erinnerung bleiben, der noch nie in dieser Gegend war. Die Straßen sind nicht nur eng und unübersichtlich, auch sind die Geraden zwischen den Kurven kaum länger als ein Auto. Sollte einer an diesem Abend sein Bier- oder Weinglas nur mit den Fingerspitzen in den Händen gehalten haben, lag es vermutlich an den Schwielen und Blasen in den Handflächen.

Nach dem dritten Tag führen Reinhard Hümer und Tochter Doris weiterhin die 16. AvD-Histo-Monte an. Das einzige Damen-Team Barbara Ziegler und Dr. Gisela Giesche liegt mit dem BMW 2002 tii auf dem beachtlichen fünften Rang.

 

Alle Ergebnisse finden sie hier >
 


Gabriele Triefenbach e.Kfr. | Samlandweg 11 | D-63069 Offenbach +++ +++ © avd-histo-monte.com